Alles über das Atmen

Sport bei Kälte: Was kalte Luft mit deinen Atemwegen macht

Beim Feldtest des amerikanischen Teams für die Olympischen Winterspiele 1998 zeigten 23 Prozent aller Athletinnen und Athleten nach der Belastung eine belastungsinduzierte Bronchokonstriktion, also eine Verengung der Bronchien mit einem Abfall der Einsekundenkapazität (FEV1, die Luftmenge, die du in der ersten Sekunde kräftig ausatmen kannst) um mindestens 10 Prozent. Bei den Skilangläufern waren es 50 Prozent (Carlsen, 2012). Sport bei Kälte fordert die Atemwege vor allem bei diesen Wintersportlern heraus, aber wer zwischen Oktober und März draußen trainiert, kennt eine mildere Variante davon.

Warum Atemwege auf kalte Luft reagieren

Die Luft soll warm und fast mit Wasserdampf gesättigt in der Lunge ankommen. Wer hart trainiert, atmet große Mengen ein, ein Teil davon über den Mund, und die Schleimhaut der Atemwege muss die Luft vorwärmen und befeuchten. Bei kalter, trockener Luft kostet das Wärme und Wasser.

Übersichtsarbeiten nennen zwei Erklärungen. Nach der thermischen Theorie löst allein die Abkühlung Nervenreflexe aus, die die Bronchialmuskulatur anspannen. Nach der osmotischen Theorie macht der Wasserverlust die Flüssigkeit auf der Schleimhaut salziger, und Zellen schütten daraufhin Botenstoffe wie Histamin aus, die den Muskel ebenfalls zusammenziehen (Carlsen, 2012; Ora et al., 2024). Carlsen formuliert zusätzlich eine Vermutung: Jahre mit langen, intensiven Einheiten in der Kälte könnten die Schleimhaut reizen und empfindlicher machen. Das ist ein Vorschlag, keine bewiesene Kette.

Was Zahlen bei Sportlern zeigen

Wie häufig Beschwerden sind, hängt stark davon ab, wer untersucht wurde und wie. In Carlsens Übersicht hatten 42 Prozent der schwedischen Skilangläufer eine ärztlich gestellte Asthmadiagnose, bei jungen norwegischen Skiläufern waren es 12 Prozent. Die Überempfindlichkeit der Atemwege, gemessen mit dem Wirkstoff Methacholin, lag bei 43 gegenüber 14 Prozent. In einer dort zitierten Studie war sie nach dem kältesten Teil des Jahres am höchsten.

Eine Übersichtsarbeit von 2024 (Ora et al.) gibt für Atemwegserkrankungen bei Athleten je nach Sportart 20 bis 70 Prozent an. Eine so breite Spanne erinnert daran, dass eine einzelne Prozentzahl aus einer einzelnen Studie keine Regel für dich ist.

Was Wärme-Feuchte-Austauscher in Studien bewirkten

Ein Wärme-Feuchte-Austauscher (englisch HME) wird vor dem Mund getragen. Er fängt einen Teil der Wärme und Feuchtigkeit deiner Ausatemluft auf und gibt sie beim nächsten Einatmen zurück. Drei kleine Crossover-Studien, in denen jede Person jede Bedingung ausprobierte, sind aufschlussreich.

1992 testeten Nisar und Kollegen einen Prototyp an vier Gesunden und an Freiwilligen mit Asthma. Mit der Maske hatte die eingeatmete Luft 19,1 °C, obwohl die Umgebung minus 13 °C kalt war. Bei sieben Menschen mit Asthma, die in dieser Kälte belastet wurden, fiel die FEV1 im Median um 10 Prozent mit der Maske und um 22 Prozent mit einer Attrappe.

2020 ließen Jackson und Kollegen 26 Erwachsene mit Asthma bei 8 °C und 24 Prozent Luftfeuchte Rad fahren, sechs Minuten bei 80 Prozent der Spitzenleistung. Elf zeigten keine Bronchokonstriktion und wurden aus der Auswertung genommen. Bei den übrigen sank die FEV1 um 6 Prozent (Standardabweichung 7) mit dem HME, um 11 Prozent (SD 11) mit einer Scheinmaske und um 13 Prozent (SD 9) ohne Maske.

2022 untersuchten Stenfors und Kollegen 23 gesunde, trainierte Erwachsene beim Laufen auf dem Laufband bei etwa minus 15 °C. Niemand erreichte die 10-Prozent-Schwelle, doch der kleine FEV1-Abfall, der ohne Gerät auftrat, blieb mit Gerät aus. CC16, ein Eiweiß aus Zellen der Atemwege, das Forschende als Hinweis auf Stress der Schleimhaut nutzen, stieg mit HME um 27 Prozent und ohne um 121 Prozent. Die Teilnehmenden berichteten außerdem weniger Reizung in den oberen und unteren Atemwegen.

Die ehrliche Grenze

Das sind kurze Experimente mit 15 bis 26 ausgewerteten Personen, und sie bilden wenige Minuten Belastung ab, keinen ganzen Winter Training. In der Studie von 2020 half auch die Scheinmaske ein wenig, die Autoren halten sie deshalb nicht für völlig wirkungslos. Der Husten in den folgenden 24 Stunden unterschied sich zwischen den Bedingungen nicht.

In der Studie von 2022 stiegen die Entzündungsmarker (Interleukin 6, 8 und 10) mit und ohne Gerät gleich stark an, und die Atemnot änderte sich nicht. Beim maximalen Vier-Minuten-Lauf war die Strecke mit Gerät etwas kürzer, 918 gegenüber 931 Metern. Ob sich daraus etwas für die langfristige Gesundheit der Atemwege ergibt, beantworten diese Arbeiten nicht.

Eine weitere Lücke: In den von mir geprüften Quellen fand ich keine kontrollierte Studie, die ausschließlich Nasenatmung bei Kälte untersucht. Die Nase wärmt und befeuchtet die Luft, wie in unseren Artikeln zu Mundatmung und zu Nasenatmung im Sport beschrieben. Bei hoher Intensität übernimmt aber der Mund, ein Kälteeffekt der Nasenatmung bleibt deshalb eine plausible Annahme und kein gemessenes Ergebnis.

So setzt du es um

Beginne ruhig. Ora und Kollegen nennen ein schrittweises Aufwärmen unter den nicht medikamentösen Maßnahmen bei belastungsbedingten Atemwegsbeschwerden. Zehn lockere Minuten vor dem harten Teil kosten nichts.

Halte lockere Einheiten möglichst bei Nasenatmung. Im Grundlagentempo hat die Nase in der Kälte die besten Chancen, ihre Arbeit zu machen.

An den kältesten Tagen kannst du Mund und Nase locker mit Schal oder Schlauchtuch bedecken. Die Idee ist dieselbe wie beim HME. Eine Studie zu Schals habe ich nicht gefunden, nimm es also als vernünftig, aber nicht bewiesen.

Verlege harte Intervalle bei deutlichem Frost in mildere Tageszeiten oder in die Halle. Carlsen schlägt vor, Ausdauerwettkämpfe nicht unterhalb von minus 15 °C auszutragen, was zeigt, wie ernst Mediziner die Kälte nehmen.

Wenn du bei oder nach Kälteeinheiten hustest, pfeifend atmest oder Enge in der Brust spürst, lass das abklären. Laut Ora und Kollegen ist die Lungenfunktion in Ruhe bei Sportlern oft unauffällig, deshalb braucht die Diagnose einen Belastungs- oder indirekten Provokationstest.

Kurz beantwortet

Ist es schlecht, beim Laufen kalte Luft zu atmen?

Viele Gesunde vertragen Kälteeinheiten gut. In der Laufbandstudie bei etwa minus 15 °C erreichte keiner der 23 gesunden Erwachsenen die klinische Schwelle für eine Bronchokonstriktion, auch wenn die Lungenfunktion leicht absank. Wiederkehrende Beschwerden sind ein Grund für den Arztbesuch.

Soll ich bei Kälte durch Nase oder Mund atmen?

Durch die Nase, solange die Belastung es erlaubt, danach durch den Mund. Entscheidend ist, den Wechsel bewusst zu wählen.

Kalte Luft verlangt den Atemwegen mehr ab, und die Studien deuten darauf hin, dass vorgewärmte Atemluft diese Last senkt. Deine Lunge braucht bei minus 10 Grad keinen Heldenmut, sie braucht einen geduldigen Start.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltendem Husten, pfeifender Atmung oder Atemnot lass dich bitte ärztlich untersuchen.

Quellen

  1. Carlsen KH (2012). Sports in extreme conditions: the impact of exercise in cold temperatures on asthma and bronchial hyperresponsiveness in athletes. British Journal of Sports Medicine 46:796-799. Link
  2. Nisar M, Spence DP, West D, Haycock J, Jones Y, Walshaw MJ, Earis JE, Calverley PM, Pearson MG (1992). A mask to modify inspired air temperature and humidity and its effect on exercise induced asthma. Thorax 47(6). Link
  3. Jackson AR, Hull JH, Hopker JG, Fletcher H, Gowers W, Birring SS, Dickinson JW (2020). The impact of a heat and moisture exchange mask on respiratory symptoms and airway response to exercise in asthma. ERJ Open Research. PubMed
  4. Stenfors N, Persson H, Tutt A, Tufvesson E, Andersson EP, Ainegren M, Hanstock HG (2022). A breathing mask attenuates acute airway responses to exercise in sub-zero environment in healthy subjects. European Journal of Applied Physiology. DOI
  5. Ora J, De Marco P, Gabriele M, Cazzola M, Rogliani P (2024). Exercise-induced asthma: managing respiratory issues in athletes. Journal of Functional Morphology and Kinesiology 9(1):15. DOI